Bei der Bahnstadt nicht zu Ende gedacht 

Mit einem Planungsgebiet von 300 Hektar ist die geplante Bahnstadt eines der größten Stadtumbauplanungen in Norddeutschland. So haben wir natürlich von Braunschweig als Forschungsstadt und Stadt der Wissenschaft auch Innovatives erwartet. Aber die Rahmenplanung der Stadt Braunschweig ist unter dem Strich ungenügend. Es fehlen ausreichende Gewerbeflächen und ein Klimakonzept. 

Schade, dass die Rahmenplanung zwar eine vertiefte Planung im Rahmen der Mobilität vorsieht (autoarmes Gebiet mit Quartiersgaragen und viel Fahrradwegen), aber im Bereich der Energieversorgung diese Tiefe vermissen lässt. Ich habe an anderer Stelle in diesem Blog schon mal auf das sogenannte Klimaquartier in Esslingen hingewiesen. Das ehemalige Güterbahnhofsgelände wurde dort zur neuen Weststadt umgebaut. Das Stadtviertel wird in Zukunft mehr Energie produzieren als verbrauchen. 

Die Besonderheit ist, dass energiesparendes Bauen, Gewerbe und Mobilität vor Ort miteinander verbunden werden: Der mit den Photovoltaikanlagen auf den Dächern produzierte Ökostrom wird zum Heizen, für Energie und Mobilität verwendet. Die Wohnhäuser und das Gewerbe sind als Passivhäuser ausgelegt: Der Überschuss des produzierten Stroms wird durch die sogenannte Power-to-Gas-to-Power-Anlage (für Eingeweihte: P2G2P) in einer unterirdischen Zentrale in Wasserstoff umgewandelt, gespeichert und steht so als weiterer Energieträger zur Verfügung – auch für außerhalb des Quartiers. Eingerechnet ist auch schon der Energiebedarf, der für Mobilität anfällt. Auf der lokalen Ebene werden also die Sektoren Energie, Wärme und Heizung gekoppelt. Die Wärme, die bei der Wasserstoffherstellung anfällt, wird ebenfalls zur Versorgung des Quartiers eingesetzt.  

Braunschweig leistet sich eine Rahmenplanung, bei der ein Energiekonzept nachgereicht werden soll. Wie das dann umgesetzt werden soll, wenn bereits jetzt beispielsweise für den Hauptgüterbahnhof städtebauliche Wettbewerbe ausgelobt werden, kann ich nicht nachvollziehen. Da hätte ich mir mehr erwartet – weil inzwischen fast ein Jahr vergangen ist, fragen wir die Verwaltung nun, wie weit sie mit dem Energiekonzept ist. 

Und es gibt noch ein anderes gravierendes Problem: Die im Bereich vom Hauptgüterbahnhof angesiedelten flächenintensiven Gewerbe sollen weichen. In der Bahnstadt möchte man keine produzierenden Unternehmen mehr haben und auch keine Unternehmen, die auf Pkw- und Lkw-Liefer- und Auslieferverkehr angewiesen sind. Selbst Pflegedienste sollen nicht mit dem Pkw in das Gebiet einfahren. Die Stadtverwaltung glaubt daran, dass sich die Einwohner im gemischten Quartier „gegenseitig“ helfen. Nun ja. Ich glaube daran nicht.  

Wie und wo die Gewerbe untergebracht werden in der Bahnstadt und warum bei 300 Hektar Fläche nicht auch „normale“ Gewerbeflächen angeboten werden, ist nirgendwo geregelt. Auf die Aktualisierung des Gewerbeflächenkonzepts in der Stadt warten wir noch immer. Der letzte Stand ist von 2016. Wohnen sollen hier alle, aber bitte nicht arbeiten. So geht Wirtschaft aber nicht. Alle Bedarfe müssen in einer Stadt befriedigt werden.  

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